Ein neuer Verein in Weißwasser möchte schwerkranken Kindern eine Freude bereiten. Nicht nur zu Weihnachten.

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Schwerkranken Kindern einen Wunsch zu erfüllen, ist ihnen Herzenssache: Dr. med. Lutz Buschmann, Claudia Britze und Vereinschef Silko Hoffmann (v.li.).

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Joachim Rehle

Weißwasser. Zu manchen Kindern wird der Weihnachtsmann ganz schön zu schleppen haben, so lang ist ihr Wunschzettel. Andere trauen sich gar nicht, ihre Wünsche aufzuschreiben, weil die finanzielle Lage der Familie deren Erfüllung ohnehin nicht zulässt. Und dann gibt es noch Einige, die von vornherein wissen, dass ihr größter Wunsch, der alles andere in den Schatten stellt, nie in Erfüllung gehen wird.

 

Es sind schwerkranke Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Neben Hirn-, Knochen- oder Muskeltumoren oder Leukämie leiden sie beispielsweise an Mukoviszidose, Autoimmunerkrankungen oder so starkem Rheuma, dass sie sich kaum rühren können, andere sitzen schwer herzkrank im Rollstuhl oder sind durch sonstige schlimme Krankheiten von alldem abgeschnitten, was Gleichaltrige normalerweise erleben.

„Die Gesundheit können wir ihnen nicht zurückgeben. Aber ein Stück Lebensfreude“, erklärt Silko Hoffmann. Soll heißen, indem man den Betroffenen einen Wunsch erfüllt, kann man sie für einen mehr oder minder kurzen Augenblick ablenken von ihrer Krankheit, ihnen Kraft und Freude schenken. Die Wünsche können vielfältig sein. Ein Spiel, ein Handy, eine kleine Ausfahrt, das Trikot eines Lieblingsspielers bei den Lausitzer Füchsen oder Energie Cottbus oder ein Treffen mit ihm, bis hin zu einer Therapie, die die Krankenkasse nicht bezahlt. Silko Hoffmann zählt Beispiele auf. Es sei jedesmal eine Einzelentscheidung und käme auf die Situation des Kindes und der jeweiligen Familie an, erklärt der Vorsitzende des Vereins Herzenswünsche Oberlausitz. Mit sieben Mitstreitern hat er ihn am 21. August in Weißwasser gegründet. Nachdem im September die Eintragung ins Vereinsregister und inzwischen auch die Gemeinnützigkeit bestätigt wurde, trat der Verein nun an die Öffentlichkeit – mit einem Herzen in den Farben des Regenbogens als Logo.

„Es hat jeder einen Bezug zum Thema. Aber zum Glück ist nicht jeder von solchen Krankheiten persönlich betroffen“, erklärt Mitgründerin Sandra Bolzano Salazar. Ihre Familie stammt aus Kuba, dort wurde sie mit viel Elend konfrontiert. Das gebe es aber auch hier, sagt die Inhaberin einer Reiseagentur in Weißwasser. Lange Zeit direkt betroffen war Susan Lill mit ihrem schwer kranken Sohn. Dort, wo er behandelt wurde, wurde auch viel für die Familien getan, Geschwisterkinder einbezogen, kleine Ausfahrten organisiert, erzählt sie. Dabei habe sie einen solchen Verein erlebt. Aber auch Eltern, die nicht wollten, dass von der Krebserkrankung ihres Kindes etwas nach außen dringt. Solchen Familien trotzdem zu helfen, ist einer der Beweggründe der Geschäftsführerin der Ihr Friseur GmbH in Weißwasser. Ihrem inzwischen 17-jährigen Sohn geht es wieder gut. Ihr fehle zwar die Zeit, an Projekten des Vereins mitzuarbeiten, sie werde aber Spenden sammeln, kündigt Susan Lill an.

Ähnliche Vereine gibt es nach Informationen aus dem Herzenswünsche-Team bereits in Görlitz und Dresden, diese würden aber nur punktuell in beiden Städten wirken. Höchste Zeit, so befanden die Gründer des Vereins in Weißwasser, ein derartiges Angebot auch im Norden des Landkreises Görlitz zu etablieren. Von da aus will man auf die ganze Lausitz ausstrahlen. Der VerVerein Herzenswünsche Oberlausitz versteht sich als Ansprechpartner für betroffene Familien, für Ämter und Behörden und darüber hinaus für jedermann, der das Anliegen unterstützen möchte.

Wie viele Kinder und Jugendliche in der Region betroffen sind, dazu gibt es nur vage Schätzungen. Von 30 oder 50 war am Freitag die Rede. „Der Öffentlichkeit ist viel zu wenig bekannt, an welchen schweren Erkrankungen außer Krebs Kinder noch so zu leiden haben“, sagt Claudia Britze. Deshalb möchte der Verein regelmäßig Informationstage zu diversen Krankheiten veranstalten. Der erste findet am 16. Dezember in Weißwasser statt. Er beginnt mit einem Vortrag von Dr. med. Lutz Buschmann zur Knochenmarktypisierung. Danach wird der Arzt zusammen mit seinem Praxsiteam und Grit Schult von der Stammzellenspenderdatei des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost Blut abnehmen. Alle Beteiligten machen das ehrenamtlich. Eine Spende des Rotary Clubs ermöglicht die Finanzierung der späteren Typisierung im Labor, was je Probe 50 Euro kostet. Die Selbsthilfegruppe Krebs stellt sich vor, mehrere Vorträge sind geplant. Und im Friseursalon Cut & Style am Boulevard läuft eine Haarspendeaktion, um die Herstellung von Echthaarperücken zu ermöglichen. „Die kosten pro Stück 800 Euro und werden für Kinder von den Krankenkassen nicht bezahlt. Vor allem Mädchen, die vorher lange Haare hatten, leiden darunter, wenn sie eine Kunsthaarperücke tragen müssen“, erklärt Susan Lill. Die Vorbereitungen für diesen ersten Aktionstag sind in vollem Gange. Er soll über Krankheiten aufklären, die jeder kriegen kann, und für schwerkranke Kinder sensibilisieren. „Mitunter sind sie stärker als ihre Eltern und tragen deren Trauer auf ihren kindlichen Schultern mit“, sagt Silko Hoffmann. Um so wichtiger sei es, ihnen ein bisschen Freude zurückzugeben.

Um die Herzenswünsche zu finanzieren, werden verplombte Spendendosen aufgestellt. Es wurde ein Spendenkonto eingerichtet (Spendenbescheinigung möglich). Der Verein bemüht sich außerdem um die Zertifizierung mit dem Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. „Die Spenden gehen zu 100 Prozent an die Kinder und deren Familien. Alle Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich“, versichert Silko Hoffmann.

Am Freitag wurde eine Facebook-Seite freigeschaltet. Der Verein informiert auf einer Internetseite, die noch ausgebaut wird. Für Interessenten, die das Anliegen unterstützen wollen, und für betroffene Eltern, die Kontakt aufnehmen möchten.

Kontakt zum Verein: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder mobil unter Tel.: 0172 3552814

Spendenkonto: Verein Herzenswünsche Oberlausitz e.V. IBAN: DE70 8505 0100 0232 0560 21 bei der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien.

www.herzenswuensche-ol.de

Text: Constanze Knappe